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Musik kennt keine Grenzen

Wegen der Corona-Pandemie darf die Brücke, die Scheibenhardt und Scheibenhard, also Deutschland und Frankreich verbindet, derzeit nicht passiert werden. Der Europatag wurde dort dennoch gefeiert – wenn auch in kleinem Umfang.

Von Markus Burck

Screenshot 20200512 090305 Die RheinpfalzSCHEIBENHARDT. Schaut er zur Brücke über die Lauter, kommt Karl Heinz Benz die Situation unwirklich und seltsam vor. Eine Absperrung trennt Scheibenhardt von Scheibenhard. „Wir merken jetzt, was es heißt, wenn die Grenzen zu sind – und das gefällt keinem von uns“, erklärt Benz denen, die am Europatag an eben jene Brücke gekommen sind, die Deutschland mit Frankreich verbindet.

Einwurf

Trennen ist keine Lösung

Von Markus Burck 

Dörfer durchsdchneiden ist keine Lösung.

Die Situation auf der Lauterbrücke zwischen Scheibenhard und Scheibenhardt verdeutlicht, welche obskuren Auswüchse die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie angenommen haben. Natürlich ist es wichtig, dass die Krankheit so weit möglich gestoppt wird und dass die Schwachen geschützt werden. Gefühlt kocht jedoch jeder Staat sein eigenes Süppchen. In einem Europa der Gemeinschaft – wie oft ist vom Europa der Regionen die Rede – sollte aber doch zumindest die Grundwürze abgestimmt sein. Undurchsichtige Regelungen führen zu Missgunst. Von Baden mit dem Fahrrad in die Pfalz: kein Problem. Mit dem Auto von Wörth nach Karlsruhe ins Autokino: kein Problem. Gassigehen innerhalb von Scheibenhard(t): nicht möglich. Dörfer wieder zu durchschneiden, kann nicht die Lösung für die aktuelle Problemstellung sein.

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene, Mittwoch, den 06. Mai 2020

 

Ziemlich beste Freunde

Die Grenzkontrollen bleiben bis mindestens 15. Mai bestehen, hat Innenminister Seehofer am Montagabend verkündet. Eine Zufallsbegegnung. Ein nachdenklich machendes Gespräch auf der gesperrten Lauterbrücke.

Von Markus Burck


Scheibenhard(t). Interessiert betrachten die beiden jungen Erwachsenen die zahlreichen Zeichnungen und Drucke, die laminiert an der Kette hängen. „Keine Grenze wird uns trennen“, steht auf einem Blatt, auf dem sich Asterix und Obelix herzlich in den Armen liegen. „Amitié – Freundschaft“, lautet die Botschaft auf einem anderen, auf dem zwei Menschen Ballons mit deutscher und französischer Flagge halten. Auf einen bekannten Film verweist ein Aushang mit „Ziemlich beste Freunde – über Grenzen hinweg“.

Pandemie: Wie die deutsch-französische Gemeinde Scheibenhard(t) die Corona-Krise erlebt

Plötzlich geteilt-ein Dorf an der Grenze


von Til Börner

Scheibenhardt/Südpfalz. Es hätte eine rauschende Feier werden sollen. Musik auf zweiverschiedenen Bühnen, regionale Köstlichkeiten vom Grill und aus dem Ofen, Händler, die ihre Handwerkskunst anbie- ten. Das Brückenfest am ersten Juniwochenende sollte der diesjährige Höhepunkt im Veranstaltungska- lender der beiden Orte Scheibenhardt und Scheibenhard werden. Das gut600-Seelen-Dorf Scheibenhardt (Landkreis Germersheim) liegt am südlichsten Zipfel der Pfalz an der Lauter. Auf der anderen Seite des Flusses befindet sich das französische Scheibenhard, das rund 200 Einwohner mehr hat. Eine Brücke verbindet die beiden Ortschaften miteinander. Fußgänger, Pendler, Radfahrer nutzen sie in normalen Zeiten täglich. „Die Grenze existiert eigentlich nicht“, sagt der deutsche Bürgermeister Edwin Diesel. Seit dem 11.März, als das Robert-Koch-Institut die französische Region Grand Est zum Corona-Risikoge- biet erklärt hat, ist die Brücke dicht. Sperrbänder, eine weiß-rote Kette und eine Baustellenschranke hin- dern Autos und theoretisch auch Spaziergänger am Überqueren. Mehrmals am Tag fährt die Bundes- polizei Streife. Denn wer die Hindernisse überwindet, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Erst mals seit Inkrafttreten des Schengener Abkommens im März 1995 ist die Grenze zwischen den fast namensgleichen Dörfern wieder real. Die bis dato obligatorischen Schlagbäume stehen zwar noch immer–aber nur, um an die Vergangenheit zu erinnern. Mannheimer

SCHEIBENHARDT UND SCHEIBENHARD
Das ehemals geteilte Dorf in Pfalz und Elsass ist durch das Coronavirus wieder geteilt

von Sybille Kranich

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Ein Dorf – zwei Nationalitäten. Das Flüsschen Lauter trennt das pfälzische Scheibenhardt vom elsässischen Scheibenhard. Seit 1993 gab l,es keine Grenze mehr. Langsam wuchs alles zusammen. Doch nun hat Corona das Dorf wieder geteilt.

Francis Joerger schämt sich. Manchmal – das gibt der elsässische Bürgermeister zerknirscht zu – da hat er sich die Grenze zurückgewünscht. „Nufür einen Tag und nur damit die Dorfjugend mal sieht, was das überhaupt bedeutet: eine Grenze.“ Jetzt ist sie wieder da. Als hätte eine böse Fee namens Corona Joergers geheimsten Wunsch über Nacht erfüllt. Ein hässliches rot-weißes Absperrgitter teilt den Ort wieder in zwei Teile. In „hüwwe“ und „drüwwe“. Ins pfälzische Scheibenhardt mit einem T am Ende und ins elsässische Scheibenhard ohne. Als hätte es Schengen nie gegeben.