„Es war Liebe auf den ersten Blick“

Gegenüber: Ruth und Karl Wagner aus Scheibenhardt feiern heute Diamantene Hochzeit – Beim Tanzen in Karlsruhe kennengelernt

Von Joachim Paul

 

die gefiel mir klSCHEIBENHARDT. „Es war eine gegenseitige Liebe auf den ersten Blick“, erzählen Ruth (86) und Karl (87) Wagner aus Scheibenhardt. Heute, Mittwoch feiert das Paar seine Diamantene Hochzeit. 60 Jahre sind sie schon verheiratet. Kennengelernt haben sie sich in Karlsruhe.

Es war im damaligen „Café Museum“ Karl, gebürtiger Scheibenhardter, war mit einem Freund mit dem Auto dorthin gefahren. Bei einer Tanzrunde entdeckte er seine zukünftige Frau und beobachtete genau, wo sie sich hinsetzte. „Die gefiel mir. Aber ich muss ihr auch gefallen haben. Als ich sie zum Tanz auffordern wollte, stand sie schon da und wartete wohl auf mich“ erzählt er ganz freudig und Ruth amüsiert sich dabei. Ab diesem Zeitpunkt fuhr er öfter mit seinem Fahrrad nach Karlsruhe – um Ruth zu besuchen.Die in Hirschberg im Riesengebirge im ehemaligen Schlesien geborene junge Frau war eigentlich ganz zufällig nach Karlsruhe gekommen.

Nachdem ihre Familie 1946 aus ihrer Heimat ausgewiesen wurde, kam sie nach Niedersachsen. „Hier haben wir als Städter beim Bauern in der Lüneburger Heide arbeiten müssen um etwas zum Essen zu haben“, sagt sie mit Blick auf diese Zeit. Später war sie bei einem evangelischen Pfarrer im Haushalt tätig, ehe die Familie in den 50er Jahren nach Hannover umzog. „Dort traf ich per Zufall eine ehemalige Schulkameradin aus Hirschberg, die zu Besuch war und in Karlsruhe wohnte. Sie überredete mich nach Karlsruhe zu ziehen“, berichtet Ruth. Dort arbeitete sie in einem Haushalt „als Mädchen für alles“ als das Schicksal seinen Lauf nahm: Sie lernte ihren Karl beim Tanzen kennen, den sie 1957 kirchlich in Neustadt an der Weinstraße heiratete. „Das war damals so Mode“, sagen beide. Seit 50 Jahren bewohnt das Ehepaar das alte Schulhaus, in dem Karl seine Schulzeit während des Krieges verbrachte, bevor er seine Lehre als Elektromaschinenbauer in Karlsruhe absolvierte. Er hatte verschiedene Arbeitsplätze nach dem Krieg, unter anderem im Kalksteinwerk Hagenbach, führte auch selbstständig einen metallverarbeitenden Betrieb, ehe er zu Daimler-Benz in Wörth kam. Dort schied er 1992 als Rentner aus. In drei aufeinanderfolgenden Jahren kamen die Söhne zur Welt. Heute haben die Jubilare fünf Enkel und drei Urenkel. Fragt man die beiden nach ihren Hobbys, schauen sich die Eheleute schmunzelnd an und Karl sagt spontan: „Basteln“. Dann verweist stolz auf eine Ehrenurkunde: „Die habe ich 2009 zusammen mit einer Silbermedaille vom Erfinderclub, dem damaligen SIGNO Innovationsclub Pfalz auf einer Erfindermesse bekommen für die Entwicklung eines Gymnastik-Laufrades“ erzählt er. Darauf habe er Musterschutz bekommen. Zahlreiche Ideen hat der Jubilar entwickelt, zum Beispiel einen geräuscharmen Klospüler, auf den er Ende der 60er Jahre drei Patente erhielt. „Jede freie Stunde hat er dafür verwendet, bald Tag und Nacht daran gesessen und gebastelt, Urlaub gab es nie“, sagt seine Frau. Sie selbst hat während der Erziehung der Kinder Heimarbeit für die frühere Nähfabrik in Scheibenhardt verrichtet. Ihr Hobby sind die Handarbeiten. Außerdem sind beide langjährige Mitglieder im Musikverein. „Aber zum Musikmachen selbst hat er keine Zeit gehabt“, wirft Ruth ein, „während alle drei Buben ein Instrument spielen.“

 

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene, Mittwoch, den 18. Oktober 2017