News

Europa zerbröselt auch im Kleinen – unsinnige Grenzsperrungen nagen an jahrzehntelanger Arbeit für die deutsch-französische Freundschaft

Ein Artikel von: Albrecht Müller

europa zerbroeselt auch im kleinenFrancis Joerger (links im Bild), seit 30 Jahren Bürgermeister des elsässischen Dorfes Scheibenhard, hat immerzu für die Verständigung zwischen Franzosen und Deutschen gearbeitet. Unermüdlich und mit großem Engagement. Jetzt steht er auf der Brücke zwischen Scheibenhard (Elsass) und Scheibenhardt (Südpfalz) vor einer Absperrung, die von deutscher Seite errichtet wurde – offensichtlich im Konsens mit der französischen Regierung. Francis Joerger darf die Schwestergemeinde auf deutscher Seite nicht mehr besuchen. Das traditionelle Brückenfest, ein Symbol der Verständigung, die nicht immer leicht war, fällt aus. Nach Einschätzung meines Freundes Francis, mit dem ich vor über 30 Jahren einen Club Vis-a-vis gegründet hatte, ist mit der neuerlichen Grenzschließung vieles kaputt gegangen. Er registriert aufmerksam und mit Sorge nationalistische Töne. Oben wird weiter die enge Freundschaft verkündet, unten sehe es anders aus.

Liebe ist kein Einreisegrund

Welche Regeln derzeit an den drei verbliebenen pfälzisch-elsässischen Grenzübergängen gelten und warum die anderen nur mit leichten Sperren blockiert sind

Von Christoph Hämmelmann

Scheibenhardt/Kaiserslautern. Nur an drei Übergängen dürfen Menschen noch vom Elsass in die Pfalz, alle anderen Verbindungen sind blockiert. Aber die Sperren lassen sich leicht wegräumen, und manchmal tun Leute das auch. Die Bundespolizei erklärt, welche Strafen dafür drohen. Und sie erläutert, warum trotzdem keine massiveren Hürden in den Weg gestellt werden.

Eigentlich hätten das pfälzische Scheibenhardt (Kreis Germersheim) und das elsässische Scheibenhard ein Jubiläum zu feiern, doch ihr 25. Brückenfest Anfang Juni fällt wahrscheinlich aus. Weil Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Und weil die Verbindung zwischen den beiden eng miteinander verwobenen Dörfern, die bis 1815 ein einziger Ort waren, jetzt blockiert ist: Wo die Hauptstraße das Grenzflüsschen Lauter überquert und zur Rue de Tirailleurs Tunisiens wird, verstellt eine Sperre den Weg.

Schranke stoppt nicht alle Grenzgänger

Übergänge in Scheibenhardt und Lauterbourg sind geschlossen – Beobachtungen im Abendverkehr

Von Markus Buck und  Natascha Ruske

Scheibenhardt/Lauterbourg. Seit Sonntagabend sind die Grenzübergänge in Scheibenhardt und Lauterbourg wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Einige Menschen wollen trotzdem die Absperrung passieren. Beobachtungen an der Schranke.

schranke an grenze klKein Durchkommen ist seit Sonntag mehr für Autos am Grenzübergang Lauterbourg. Wer mit seinem Fahrzeug von Hagenbach oder Berg kommt, wird kurz davor auf Schildern informiert, dass es eine Umleitung in Richtung Frankreich gibt. Diese führt über die B 9, denn auch der Übergang über die Lauter in Scheibenhard(t) ist gesperrt, um der Ausbreitung des Coronavirus Herr zu werden. Nur die südpfälzischen Grenzübergänge Bienwald und Schweigen sind noch offen.

Fahrer räumt Schranke beiseite
Theoretisch wäre ein Übergang zu Fuß möglich, doch aufgrund der scharfen Ausgangssperre in Frankreich ist dies natürlich zu unterlassen. Am Übergang Lauterbourg informiert darüber ein Schild in mehreren Sprachen. In Scheibenhard standen am Sonntagabend hingegen nur Baustellenschilder. Aber die hielten nicht jeden davon ab, sich freie Fahrt zu verschaffen: Gegen 18 Uhr wurden diese von einem Autofahrer mit deutschem Kennzeichen kurzerhand beiseite geräumt, als er von der elsässischen Seite auf die pfälzische wechselte. Nach diesem „Grenzübertritt“ stellte er die Schilder wieder auf. Andere Fahrer drehten vor der Brücke um.

An Rhein und Saar

Fast alle Übergänge zu Frankreich blockiert

Mainz. Die kleineren Grenzübergänge zu Frankreich sind wegen der Corona-Pandemie ab sofort komplett geschlossen. Das hat das Mainzer Innenministerium am Sonntagnachmittag mitgeteilt. Die Verbindung zwischen dem pfälzischen Scheibenhardt (Kreis Germersheim) und seinem Schwesterdorf Scheibenhard im Elsass etwa ist jetzt mit Baustellen-Baken zugestellt. Offen bleiben demnach nur noch die Übergänge Bienwald, Schweigen und Hornbach. Seit Anfang vergangener Woche dürfen Franzosen die Grenze nur noch in Ausnahmefällen überqueren – etwa, weil sie auf deutscher Seite arbeiten. Bundespolizisten überwachen die Einreisesperre. Allerdings war in den vergangenen Tagen erkennbar, dass sie nur an den wichtigsten Grenzübergängen dauerhaft präsent sein können. (häm)

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene, Montag, den 23. März 2020

Engagement für Gemeinde honoriert

Ehrungen bei Neujahrsempfang

SCHEIBENHARDT. Der Dank an nach der Kommunalwahl ausgeschiedene und langjährige Ratsmitglieder – er stand beim Neujahrsempfang der Gemeinde Scheibenhardt am Sonntag im Mittelpunkt.

neujahrsempfang 2020 kl„Wenn man sich über Jahrzehnte für das Gemeinwesen eingesetzt hat, steht es meines Erachtens außer Frage, eine ganz besondere Ehrung zu erfahren“, sagte Ortsbürgermeister Edwin Diesel (parteilos). Nach der Kommunalwahl 2019 ausgeschieden ist Siegmund Rieger. Günther Weschler trat schon nach der Wahl 2014 aus. Beide wurden jetzt für zehn Jahre Ratstätigkeit geehrt. Christian Müller und Christian Carl waren fünf Jahre dort aktiv – Letzterer zudem drei Jahre als Ortsbeigeordneter.

Auch dankte die Gemeinde ihren aktiven „Langjährigen“ im Rat: Ruth Herberger, die seit 20 Jahren dort die Bürgerinteressen vertritt. Als Ortsbeigeordnete kommt sie auf zwölf Jahre. Karl Heinz Benz und Elmar Schweitzer sind 20 Jahre Mitglieder des Ortsgemeinderats. Benz vertritt Scheibenhardt auch im Verbandsgemeinderat, ist dort SPD-Fraktionsvorsitzender. Alle drei noch Aktiven erhielten Urkunden des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz.

Und letztlich wurde auch Ortsbürgermeister Edwin Diesel von seinem Stellvertreter Thomas Ehl (CDU) für 30 Jahre in der Kommunalpolitik geehrt. Bemerkenswert: 1991 – also zwei Jahre später – wurde Diesel schon zweiter und 1994 erster Beigeordneter und damit Stellvertreter des Bürgermeisters. Seit 1999 hat er selbst dieses Amt inne. hcs

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene, Dienstag, den 07. Januar 2020